2 Bedeutung und Trends des Tourismus in Deutschland
2.1 Begriffsbestimmung: Freizeit / Tourismus / Naherholung
Laut Diercke Wörterbuch ist Freizeit die "freie Zeit des arbeitenden Menschen, die weder durch berufliche oder häusliche Pflichten noch durch Essen, Schlafen, Körperpflege usw. in Anspruch genommen wird. Die geografische Relevanz der Freizeit ergibt sich durch die Raumwirksamkeit des Freizeitverhaltens", wobei das Freizeitverhalten als eine "Grundda-seinsfunktion [des Menschen]" bezeichnet wird. Das Freizeitverhalten "... deckt alle menschlichen Freizeitaktivitäten in Wohnung und Wohnumfeld, im Naherholungs- und im Fremdenverkehr ab"3.
Opaschowski stellt in seiner "Einführung in die Freizeitwissenschaft"4 eine "Stagnation der Begriffsbildung" fest, wobei die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit immer schwieriger wird. "Arbeit ist nur noch das halbe Leben- und Freizeit die andere Hälfte. Die neunziger Jahre stehen ganz im Zeichen des Struktur- und Wertewandels von Arbeit und Freizeit"5. In der vorliegenden Arbeit soll der Begriff Freizeit durch die folgende, bereits 1934 erschienene Definition erklärt werden: "Freizeit ist die Zeit, in der wir frei sind von den mehr äußeren und formalen Pflichten, die uns die bezahlte Berufsarbeit oder eine andere obligatorische Beschäf-tigung auferlegt"6.
Der Begriff Tourismus wird in diesem Falle synonym mit dem Begriff Fremdenverkehr verwendet. In Anlehnung an die Definition der Welttourismusorganisation kann Tourismus bzw. Fremdenverkehr verstanden werden als "Die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt der Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist"7. Laut dieser Definition sind neben privaten Reisen auch Dienst- und Geschäftsreisen mit einbezogen.
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Im Fremdenverkehr unterscheidet man außerdem noch zwei Kategorien:
- Fremdenverkehr mit Übernachtungsaufenthalt
- Tagesbesucherverkehr (ohne Übernachtung)8
Unter Naherholung versteht man "denjenigen Teil des Freizeitverhaltens außer Haus, der sich zeitlich von der mehrstündigen und halbtägigen Erholung bis zum Wochenendausflug er-streckt [...]. Der Begriff "nah" ist mehr zeitlich als räumlich zu verstehen, denn die Naherholung [...] findet zum Teil in Beträchtlicher Entfernung zum Wohnort statt. Die regelmäßige Beteiligung an der Naherholung ist besonders bei den Einwohnern großstädtischer Verdichtungsräume sehr hoch"9 und damit in der untersuchten Region (Berliner Umland) von größter Bedeutung. Der Naherholungsverkehr ist "Teil des Freizeit- und Erholungsverkehrs, der durch die Fahrt vom Wohnort in den Naherholungsraum und durch Fahrten in diesem verursacht wird..."10 und meist an Wochenend- und Feiertagen sein Maximum erreicht. Nachdem die grundlegende Begriffe des Tourismus erläutert worden sind, soll im weiteren Verlauf der Arbeit auf das aktuelle Reiseverhalten der Deutschen eingegangen werden.
3 Dierecke, 1993, S. 180
4 Opaschowski, 1992, S. 273
5 Opaschowski, 1995, S. 13
6 Lundberg, 1934, S.21, zitiert in Opaschowski
7 vgl. Haedrich, 1998, S.17
8 vgl. Harrer 1995, S.1 und Papies/Schreiber 1998, S.11
9 Dierke, 1993, S.7
10 ebd., S. 7
